Montag, 9. Mai 2011

Über den Schmuck mit fremden Federn

Umgang mit Plagiaten

Von Kerstin Alms und Prof. Dr. Franz Bosbach 

Spätestens seit der Guttenberg-Affäre ist das Thema „Plagiate“ wieder in aller Munde und eng damit verbunden wachsen Misstrauen und Unsicherheit gegenüber wissenschaftlichen Arbeiten. Unsicherheit seitens der Studierenden über die korrekte Aufbereitung von zusammengetragenen Informationen gemäß wissenschaftlicher Standards – Misstrauen seitens der Lehrenden, Plagiatorinnen und Plagiatoren auf den Leim zu gehen.

Gleichzeitig wird darüber gebrütet, ob sich eine Entwicklung wissenschaftlichen Fehlverhaltens eingeschlichen hat, die mehr oder minder bewusst und über längere Zeit ausgeblendet wurde. Weltweit dreht es sich um das Schadensausmaß für die Integrität der Wissenschaft, um die Suche nach Ursachen für Plagiate und daraus resultierende Konsequenzen für die Zukunft – wie auch unter dem Titel „Plagiarism Pandemic?“ zu Beginn des Monats im „AngloHigher“ (The Magazine of Global English Speaking Higher Education) diskutiert.

Die Digitalisierung hat es möglich gemacht: Unzähliges Material ist mittlerweile im Internet zu finden und mit ihr angestiegen ist die Verführung, Textpassagen per „Copy&Paste“ in die wissenschaftliche Arbeit einzufügen – insbesondere bei zeitlich knappen Ressourcen.

Bereits 2002 schrieb der Spiegel in einer Serie über die „Plagiats-Kultur“ an deutschen Universitäten und das Unrechtsbewusstsein von Studierenden und Lehrenden. 2006 berichtete Sebastian Sattler im Rahmen seiner Studie zum Thema „Plagiate in Universitäts-Hausarbeiten“ von einem hohen Anteil seiner untersuchten Arbeiten, die Plagiate enthielten (knapp 1/5 bei 159 untersuchten Arbeiten).
Vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse kann derzeit leicht der Eindruck gewonnen werden, dass in Studierenden per se potentielle Plagiatoren gesehen werden, die nur ein einziges Ziel vor Augen haben: eine wissenschaftliche Arbeit zu erstellen - mit minimalem Arbeitsaufwand und maximalem Erfolg. Vermutlich haben Studierende aktuell jedoch mehr Furcht denn je, als Plagiatorinnen und Plagiatoren entlarvt zu werden, ohne eine Ahnung davon zu haben, wie sie dies verhindern können. Denn häufig wissen Studierende gar nicht, dass sie sich mit fremden Federn schmücken und ihre Arbeiten Plagiate enthalten. Von bösem Willen kann keine Rede sein.

Der Grad zwischen korrektem wissenschaftlichen Verhalten und Fehlverhalten ist schmal. Ursachen für Plagiate liegen häufig darin, dass Techniken wissenschaftlichen Arbeitens nicht hinreichend bekannt sind. Dies zeigte unter anderem die Untersuchung Sattlers aus dem Jahr 2006. Von entscheidender Bedeutung ist, hier frühzeitig entgegenzusteuern und seitens der Lehrenden verstärkt einen Fokus auf die Vermittlung von Grundsätzen wissenschaftlichen Arbeitens und seiner Anwendung zu legen. Ebenso sind Studierende vermehrt gefordert, sich bewusst damit auseinanderzusetzen, was wissenschaftliches Schreiben und Arbeiten konkret bedeutet, welche Regeln damit verbunden sind, aber auch, ab wann von einem Plagiat gesprochen wird und welche möglichen Konsequenzen im Falle eines Plagiats greifen. An der UDE stehen Techniken wissenschaftlichen Arbeitens in den meisten Studiengängen bereits in den ersten beiden Semestern auf dem Lehrplan.
Unterstützung bietet darüber hinaus die „Schreibwerkstatt“ (Institut für Optionale Studien an der UDE). In ihren Beratungsangeboten und Seminaren wird vermittelt, wie wissenschaftliche Schreibaufgaben konkret und effizient bewältigt werden können.

Der Umgang mit Täuschungen im Rahmen von Prüfungsleistungen ist an der UDE in den Rahmenprüfungsordnungen und in erster Linie - wo übernommen - in den einzelnen Prüfungsordnungen geregelt.
Zunächst gilt die betreffende Leistung  als mit „nicht ausreichend“ bewertet. Eine vorsätzliche Täuschung kann außerdem mit einer Geldbuße von bis zu 50.000 € geahndet werden. Im Falle eines mehrfachen oder sonstigen schwerwiegenden Täuschungsversuches kann zudem eine Exmatrikulation erfolgen.
In der Regel wird an der UDE Täuschungsversuchen bereits frühzeitig über eine eidesstaatliche Versicherung des Studierenden entgegengesteuert. Der Prüfling versichert dabei, dass die Prüfungsleistung selbständig und ohne unzulässige fremde Hilfe erbracht worden ist.

Lehrende können eingereichte Arbeiten auch auf die selbständig erbrachte Leistung hin überprüfen. Dies geschieht über Plagiatserkennungssysteme, die der technische Fortschritt ebenso hervorgebracht hat wie die Möglichkeit des „Copy&Paste-Verfahrens“ aus dem Internet. Kopierte Textbausteine können mit einem solchen Tool aufgespürt werden. Allerdings sind diese Systeme, wie die Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin nach ihrer letzten Untersuchung in 2010 herausgefunden hat, nur teilweise nützlich.
An deutschen Universitäten oder Fakultäten sind Plagiatsprogramme bisher gering verbreitet. An der Ruhr-Universität Bochum, der Technischen Universität Dresden oder der Fernuniversität Hagen werden Arbeiten auf dem gesamten Campus einer solchen Prüfung unterzogen, an vielen Universitäten hingegen entscheiden Institute oder Fakultäten selbst über den Einsatz einer Plagiatserkennungssoftware. An der UDE ist letzteres der Fall.

Eine Plagiat-Software kann aber auch der Selbstüberprüfung dienen. Wird sie Studierenden – wie an der Ruhr-Universität Bochum - zur Nutzung zur Verfügung gestellt, können sie bereits vor Abgabe einer wissenschaftlichen Arbeit mögliche Fehlerquellen identifizieren und korrigieren. Somit bietet ein solches Programm Studierenden, die sich versehentlich mit fremden Federn schmücken, Hilfestellung. Studierende der UDE können das Programm im Rahmen der UAMR ebenfalls über das Blackboard der RUB nutzen.
An der UDE wird derzeit die mögliche Anschaffung weiterer und/oder alternativer Programme geprüft.

2 Kommentare:

  1. David Schüller10. Juni 2011 um 09:57

    Sehr geehrter Prof. Dr. Bosbach, Sehr geehrte Frau Alms,

    Zu Ihrem Blogeintrag zum Thema Plagiat möchte ich folgende Dinge anmerken:

    1. "Der Grad zwischen korrektem wissenschaftlichen Verhalten und Fehlverhalten ist schmal." Diese Aussage halte ich so für nicht richtig. Wenn jemand gelernt hat wie man wissenschaftlich arbeitet, so ist der Grad zwischen wissenschaftlichen Verhalten und Fehlverhalten enorm groß. Wenn man weiß wie man wissenschaftlich arbeitet, bedarf es der willentlichen Entscheidung nicht wissenschaftlich zu arbeiten und damit Fehlverhalten zu begehen. Ihre Aussage trifft nur für die Personen zu, denen wissenschaftliches Arbeiten noch nie beigebracht wurde, die also keine Chance hatten zu lernen was Fehlverhalten ist. Das würde aber bedeuten, dass die Universität nicht Ihrer Pflicht nachgekommen ist Studenten die Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens beizubringen, d.h. wenn die Universität den Studenten keine faire Chance gegeben hat die tatsächliche Größe des Grades zu erkennen. Darum wäre es hier wichtig, dass die Universität zunächst anerkennt, dass es zuallererst Ihre Aufgabe ist den Studenten wissenschaftliches Arbeiten beizubringen.

    2."Vermutlich haben Studierende aktuell jedoch mehr Furcht denn je, als Plagiatorinnen und Plagiatoren entlarvt zu werden, ohne eine Ahnung davon zu haben, wie sie dies verhindern können. Denn häufig wissen Studierende gar nicht, dass sie sich mit fremden Federn schmücken und ihre Arbeiten Plagiate enthalten. Von bösem Willen kann keine Rede sein" Hier trifft das gleiche Argument wie bei Punkt eins zu. Wenn den Studenten niemand beibringt wie man wissenschaftlich zu arbeiten hat und warum es so wichtig ist wissenschaftlich zu arbeiten, dann müssen Sie natürlich in der Furcht leben andauernd etwas falsch zu machen. Wenn Sie aber beigebracht bekommen haben ordentlich wissenschaftlich zu arbeiten, dann gehen Sie wissentlich das Risiko ein entdeckt zu werden und sind sich von vornherein darüber bewusst was für ein Risiko dies darstellt. Somit kann von bösem Willen sehr wohl eine Rede sein, wenn man Ihnen beigebracht hat wissenschaftlich zu Arbeiten.

    3. "Eine Plagiat-Software kann aber auch der Selbstüberprüfung dienen. Wird sie Studierenden – wie an der Ruhr-Universität Bochum - zur Nutzung zur Verfügung gestellt, können sie bereits vor Abgabe einer wissenschaftlichen Arbeit mögliche Fehlerquellen identifizieren und korrigieren" Ich glaube nicht, dass man den Studenten diese Tools vorab zu Verfügung stellen sollte. Ich glaube hier würde sich eine Abwärtsspirale sich in Gang setzen, in der die Studenten nur noch fixiert darauf sind Fehlerquellen die durch die Software angezeigt werden zu korrigieren und dann meinen alles sei gut. Das wissenschaftliche Arbeiten würde in den Hintergrund treten, und sobald ein Student dann eine Studienarbeit abliefern muss und Ihm diese Software nicht zur Verfügung steht, würde dieser ein großen Risiko eingehen zu plagiieren.

    Zusammenfassend halte ich es für wichtig, dass die Universität zunächst klar anerkennt, dass es Ihre Aufgabe ist den Studenten wissenschaftliche Arbeiten in einer adäquaten Art und Weise beizubringen. Ihr Blog-Eintrag lässt meiner Meinung nach vermuten, dass die Verantwortung zunächst bei den Studenten liegt und das halte ich für nicht in Ordnung. Weiterhin halte ich es für essenziel klar darzustellen, dass wenn jemand wissenschaftliches Arbeiten erlernt hat, es der bewussten Entscheidung bedarf Fehlverhalten zu begehen und somit der Grad zwischen wissenschaftlichen Arbeiten und Fehlverhalten groß ist.

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  2. David Schüller10. Juni 2011 um 09:58

    Ich habe meine komplette Ausbildung bist jetzt an ausländischen Universitäten absolviert und möchte aufgrund dieser Erfahrung einen Verbesserungsvorschlag zum erlernen von wissenschaftlichen Arbeiten an der Uni DUE machen.

    Eine adäquate Vermittlung sähe meiner Meinung nach folgendermaßen aus: Die Schreibwerkstatt wird mit Mitteln ausgestattet für alle Fakultäten Kurse im wissenschaftlichen Arbeiten anzubieten. Die Schreibwerkstatt hat meiner Meinung nach die herausragende Kompetenz und noch wichtiger das Interesse den Studenten dies beizubringen da dort eine Kompetenz einzig und allein mit Bezug zum wissenschaftlichen Arbeiten gegeben ist. Die Kurse könnten folgenden Rahmen haben: Man trifft sich 4-6 Mal a 2std. Beim ersten Mal wird eine generelle Einleitung zum Thema wissenschaftliches Arbeiten gegeben. Für jede der nächsten Sitzungen, müssen die Studenten Aufsätze zwischen 5-10 Seiten schreiben welche korrigiert und in der nächsten Sitzung analysiert werden. Die Gruppengröße sollte 15 nicht überschreiten, maximal aber 20 betragen. Durch diese Struktur würden die Studenten mit einer gleichbleibenden Qualität im wissenschaftlichen Arbeiten ausgebildet und die Schreibwerkstatt wäre bewusster zentraler Ansprechpartner für alle Themen die das wissenschaftliche Arbeiten betreffen.

    Wenn die Studenten ein verpflichtendes Programm dieser Art und Weise durchlaufen haben, dann hat die Universität den Studenten eine faire Chance gegeben wissenschaftliches Arbeiten zu erlernen. Dann kann man sagen, dass ab diesem Zeitpunkt die Verantwortung hauptsächlich beim Studenten liegt.

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